Zwei Paare fahren zusammen in den Urlaub: Eva und Felix mit ihren zwei Kindern. Matze und Linn – (noch) kinderlos, mit unerfülltem Kinderwunsch im Gepäck. Und eigentlich ist von Anfang an klar: Dieses Gleichgewicht existiert nur auf dem Papier.
Zwischen allen vieren liegt etwas in der Luft. Linn beobachtet Eva im Umgang mit ihren Kindern – mit Respekt, mit Neid, mit dieser Mischung aus Bewunderung und Schmerz. Und erst ziemlich spät merkt sie: Eva schaut sie genauso an. Auch da ist Sehnsucht. Auch da ist Vergleich.
Und dann dieses leise, aber spürbare Machtgefälle zwischen Matze und Felix. Männliche Dynamiken, die irgendwann nicht mehr subtil sind, sondern knallen. Gespräche, die größer werden als geplant.
Was ich an diesem Roman so stark finde: Wie selbstverständlich er mehrere Themen miteinander verwebt. Ungleich verteilte Care-Arbeit. Unerfüllter Kinderwunsch. (Ungewollte) Schwangerschaft. Und immer wieder die Frage, wer hier eigentlich die Regeln macht – privat wie gesellschaftlich.
Und dann solche Sätze:
„Die Freude der Männer füllt den Raum vollständig aus, ist laut genug, damit niemand die Starre der Frauen bemerkt.“
Mehr muss man manchmal gar nicht sagen.
Es ist schon fast schmerzhaft klar, wie unterschiedlich Männer und Frauen sozialisiert sind. Ihre Ängste. Ihre Bedürfnisse. Ihre Perspektiven. Wie viel unausgesprochen bleibt.
Zum Ende hin hatte ich total Vibes von „Nach uns der Himmel“ von Simone Buchholz – so ein leicht mystischer Sog. Offen. Interpretierbar. Man bleibt noch drin hängen, auch nachdem man das Buch zugeklappt hat.
Für mich ein absoluter Pageturner, eine echte Überraschung.
